Geschichte und Stilarten

Krippenverein

Ulm Söflingen/

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Ausstellung Pfuhl 08 (35)

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Ein kleiner Einblick über die Entstehung der Krippe

Inhaltsverzeichnis dieser Seite:

Einführung

Geschichtlicher Rückblick

Übersicht Krippenarten:

1. Weihnachtskrippe

4. Höhlenkrippe

7. Bekleidete volkstümliche
 Krippe

2. Orientalische Krippe

5. Heimatliche
 Weihnachtskrippe

8. Ruinenkrippe

3. Nazarener Krippe

6. Alpenländische Krippe

9. Osterrieder - Krippe

Einige dieser Krippen können Sie in der Bildergalerie wieder finden.

Einführung

Auf der ganzen Welt zählt die Krippenbewegung Tausende Anhänger. Krippen werden gebaut und verehrt in den chinesischen Missionen ebenso wie in Chile,
 in Afrika finden sich ebenso Christen zusammen, um dem Krippengedanken zu huldigen, wie sie es in Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich
 usw. tun. Die Bewegung ist im wahrsten Sinne "weltweit". Dabei muß es als selbstverständlich angesehen werden, daß die Ausführung der Krippe jedesmal
eine andere ist, entsprechend den Handfertigkeiten des Erbauers, auch dem Material entsprechend das zur Verfügung steht. So wird die Krippe des Asiaten
aus Bambusrohr bestehen. Diejenige des Peruaners wird die ganze Farbenfreude dieses Volkes in sich vereinen und der Tiroler wird seine ganze
Gestaltungskraft in schmucke kleine Holzhäuschen, wie in dieser Region üblich, legen. Allen gemeinsam aber ist die Grundidee, das Wunder der Geburt
Christi sichtbar machen zu wollen, durch die Menschwerdung Jesu. Durch das Zusammenspiel von Idee und Form wird das Krippenbauen über das reine
Basteln hinausgehen. Handwerkliche Techniken gibt es unzählige. Aber nicht einmal etwas so weltweit Verbreitetes, wie z. B. das Töpfern, das Weben oder
Malen, hat es zu Vereinen gebracht. Es ist eben nicht nur die Technik des Krippenbauens, nicht nur die Freude am Gestalterischen, sondern die Hingabe an
eine Aufgabe, die den Erlösungsgedanken in den Mittelpunkt des Strebens und Handelns stellt. Man baut die Krippe sozusagen in "höherem Auftrag", um
Anteil an der Lobpreisung Gottes zu vollbringen. Durch die Krippe, vor allem die selbstgebaute, haben wir das heilige Geschehen ständig greifbar vor Augen,
künden uns doch Könige und Hirten neu das Wunder der Geburt Christi. Aber auch abgesehen von diesem tief religiösen Empfinden kann die Krippe, die wir
in der Advents - und Weihnachtszeit in unserer Stube aufbauen, unser Leben positiv beeinflussen. Vor ihr zu stehen bedeutet, Ruhe und Frieden zu finden in
der hektischen Zeit unserer heutigen Welt. Eine Pause einzulegen, um zur Besinnung zu kommen. Eine Ruhe und Besinnung, die wir nicht nur für uns allein
erleben, sondern die wir mit unseren liebsten Menschen, unserer Familie, teilen wollen. Das ist ein weiteres Wunder an dem Phänomen "Krippe", daß in
ihrem Angesicht Familien wieder zueinander finden in gemeinsamem Fühlen und Denken. Kinder werden erzogen zu diesen vorweihnachtlichen, stillen
Andachten, und sie geben später die Freude wie selbstverständlich weiter. So verbindet die Krippe Generation um Generation und gibt den Alten wie den
Jungen das innige Gefühl der Gemeinsamkeit.

Dem Erbauer der Krippe fällt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Er ist es, der ihr Aussehen bestimmt hat, als er mit Holzbrettchen, Hammer und Nägeln
hantierte und aus einem Haufen Material den Krippenstall, die Krippenlandschaft, geformt hat. Er ist es, der jedes Jahr die Krippe aufstellt, jedes Jahr neu
einige leichte Veränderungen anbringt, die alles noch schöner macht. Der Krippenbauer ist eine wichtige Persönlichkeit im vorweihnachtlichen Geschehen der
Familie. Je mehr es ihm gelingt, die Freude am Geschaffenen umzusetzen, desto gelungener ist sein Werk. Natürlich wird auch das rein Handwerkliche
Beachtung bei den Familienangehörigen und Besuchern finden. Man wird fachsimpeln mit Kollegen, wie man es im nächsten Jahr noch besser machen kann.
Das Kripplern und Aufstellen kann, und das werden uns viele Freunde bestätigen, geradezu zur Leidenschaft werden. Wer einmal eine Krippe gebaut hat,
wird sich ziemlich sicher bald an einer zweiten, noch schöneren, noch größeren, versuchen. Wenn es uns mit diesen Worten gelungen ist, Ihre eigene
Kreativität zu mobilisieren und voll zur Blüte zu bringen, so ist das der schönste Lohn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Rückblick

Über das Datum der Entstehung der Krippe wissen wir so gut wie gar nichts. Wie bei fast allem, was zutiefst "volkstümlich" ist, genauer gesagt, aus dem
Volke stammt, hat sich auch die Krippe aus verschiedenen Wurzeln entwickelt. Seit dem 11. Jahrhundert gab es einfache Darstellungen der Geburt
Jesu Christi in Kirchen und Klöstern. Doch die erste richtige Weihnachtskrippe stand im Jahre 1223 in der Kirche des heiligen Franziskus von Assisi. In
einer Höhle bei Greccio, in der er hauste, legte er ein lebensgroßes Wachsabbild des Christkindes in eine echte Futterkrippe. Ein reicher Gutsbesitzer gab
Ochs und Esel dazu, die Bauern warfen Stroh auf den Boden. Die Nachbarn pilgerten zu der mit Kerzen erhellten Krippe wie einst die Hirten von
Bethlehem. Neben einer Vielzahl von Krippenformen wie Kasten-, Bühnen- oder Landschaftskrippe entwickelte sich im Lauf der Jahre die Grundidee, die
Lebenswelt der Gläubigen mit einzubeziehen. So erklären sich die regional unterschiedlichen Bauweisen der Krippen, die oft nichts mehr von der Herkunft der
Geburtsgeschichte aus dem Vorderen Orient erahnen lassen. Aus dieser trat nach und nach die heutige Form der Krippe mit beweglichen Figuren heraus,
 wobei unter "beweglich" ein Verstellen, Verschieben der einzelnen Figuren gemeint ist und nicht ihre Beweglichkeit derer selbst. Das Verstellen, Verschieben
der Figuren ist zu einem wichtigen Element der Krippe geworden. Das "Agieren" innerhalb der Krippe erfuhr eine starke Beeinflussung durch die
Krippenspiele, die ja dieselben Figuren aufboten, wie die Krippenbauer es taten. Diese orientierten sich in der Ausprägung der einzelnen Figuren stark am
Aussehen der Darsteller kirchlicher Spiele und Prozessionen. So ist es nicht verwunderlich, daß die frühen Krippenfiguren groß von Format (oft bis zu
1 Meter und mehr) und meist prächtig gekleidet waren. Ihre Zahl innerhalb des Gesamtaufbaues war gering. Die Krippen dieses Typs standen ausschließlich
in Kirchen und Klöstern, wobei von bestimmten Orden wie z. B. den Jesuiten die stärksten Impulse gesetzt wurden. Die feinen Näharbeiten an den
Gewändern mit Gold- und Silberstickerei wurden in den Frauenklöstern ausgeführt. Bis ins 16. Jahrhundert hinein haben wir keine Kunde über das Auftreten
 von Hauskrippen. Und auch dann setzten sie erst zögernd ein und waren zunächst ein Vorrecht des Adels. Erst im 17. Jahrhundert wurden sie volkstümlich.
 Der große Durchbruch erfolgte aber einerseits erst nach der Französischen Revolution 1789. Andererseits nach den kirchenfeindlichen Erlässen Kaiser
Josephs II., also nach 1785. Erlässen, die die Aufstellung von Krippen in Kirchen und Klöstern gänzlich untersagten. Zu dieser Zeit aber hatte sich das Volk
bereits so an den Brauch der Krippendarstellungen gewöhnt, daß es nicht mehr darauf verzichten wollte. Man entfernte die Krippen zwar aus der Kirche,
stellte sie aber in einem benachbarten Haus oder Hof wieder auf, was von den Obrigkeiten sowohl Frankreichs als auch des Habsburgerreiches nicht im
mindesten vorhergesehen war. Bald erwiesen sich die Figuren der Kirchenkrippen als zu groß für die Bauern- und Bürgerhaushalte, außerdem kam der Wunsch
auf, statt der wenigen, lieber mehr Figuren einzusetzen. Man wollte das vollziehen, was man in der Krippenkunde, ,,gefrorenes Theater" nannte. Da die
Figuren am selben Punkt stehen, "gefroren sind". Eine möglichst ausführliche Darstellung der Geburt Christi, die nicht nur die Heilige Familie umfassen
sollte, sondern daneben noch das Feld der Hirten und den Zug der drei Weisen, Sterndeuter, oder auch Magier aus dem Morgenland. In den Ländern mit
großem Wald- und Holzvorrat, wie es z. B. in den Alpengebieten und Böhmen waren, und dort wo die Holzschnitzer beheimatet sind, begann man,
wesentlich kleinere Figuren aus Holz zu schnitzen und diese farbig zu fassen. In manchen Gegenden formte man Figuren aus Ton, die man in fröhlichen
 Farben bemalte. Die berühmten und heute weit ,,Santons" der Provence Frankreichs sind ein gutes Beispiel dafür, oder die , ,Loammandln" aus Tirol. Nach
dem 17. Jahrhundert kamen Papierkrippen auf, die von Künstlern, aber auch von Laienmalern gemalt und durch Kulissen - Landschaft - bereichert wurden.
Diese Papierkrippen waren gegenüber den bis dahin gebräuchlichen Krippen preiswert und erfreuten sich einer weiten Verbreitung und langen Lebensdauer.
Durch die modernen werdenden Druckverfahren wurden sie auch gedruckt, was ihren Preis niedrig hielt. Papierkrippen haben sich bis in unsere Zeit erhalten.
In anderen Ländern wiederum blieb man bei den gekleideten Figuren, wie z. B. in Neapel in Italien, das die bekanntesten Krippen hervorgebracht hat, die man
bis zum heutigen Tag kennt. Was die Figuren umgebende Landschaft anbelangt, so setzte ebenfalls am Ende des 18. Jahrhunderts mit der Verbreitung der
Krippe eine Weiterentwicklung ein. Hatte man ursprünglich das heilige Geschehen in eine Landschaft gesetzt, wie man sie in Bethlehem vermutet, so packte
viele Krippenbauer der Drang, sich selbst vom Aussehen gerade dieser Landschaft zu überzeugen. Pilgerfahrten ins Heilige Land wurden angetreten, und
zurückgekehrt, konnte man das Geschaute um die Krippe verwerten. Nun wußte man aus eigener Anschauung, wie zerborstene Tempel, wie orientalische
Grotten, wie die Vegetation im Heiligen Land aussahen. Kirchenmaler, aber auch Kunstmaler malten großartige Hintergründe, in denen der ganze Zauber
dieses fernen Landes festgehalten wurde. Krippenbauer schufen orientalische Häuser mit Kuppeln und Bögen, Ziehbrunnen und Zisternen im Kleinformat.
Die heute noch gebräuchliche orientalische Krippe erhielt ihre schönsten teilweise prunkvollen Ausprägungen. Einige Jahrzehnte später setzte eine
Gegenbewegung ein. Man verzichtete darauf, das heilige Geschehen inmitten von Zypressen und Palmen anzusiedeln, und das Volk in den Gewändern des
Orients agieren zu lassen. Bei den betenden Hirten war es schon früher zum Teil gebräuchlich, sie in der Tracht der jeweiligen Heimat des Krippenbauers zu
zeigen. Nun versetzte man das gesamte Geschehen in den heimatlichen Raum. Eine neue Art der Krippe entstand. Plötzlich konnten die Schnitzer, die
Krippenbauer, die Hintergrundmaler die Eigenheiten ihres Landes zeigen, und prächtige, sehr eigenständige Krippen wurden gebaut. Aber die ruhigen Zeiten
waren ein für allemal vorbei. Eine neue, moderne Art des Denkens begann sich breitzumachen. Die der barocken Pracht, nicht nur der kirchlichen
Festgestaltung, sondern auch der Liturgie wie Weihnachtskrippen Hei1igen Gräbern und Ölbergen feindlich gegenüberstand. Und was man vorher hoch
geschätzt und verehrt hatte, trat den Marsch in die Dachböden und Speicher an. So mancher schönen alten Krippe wurde damit der Todesstoß versetzt.
Eine gewisse Belebung erfuhr die Krippe erst wieder durch das Auftreten der Malergruppe der "Nazarener" im 19. Jahrhundert, zumindest in Deutschland.
Sie schufen, gleich ihrer spezifischen Art und Malerei, Papierkrippen, die sich bald einer größeren Beliebtheit erfreuten. Das Bekanntwerden dieser
nazarenischen Krippen fiel zeitlich ungefähr mit dem Beginn der Serienproduktion von Krippenfiguren in den Fabriken zusammen, in denen schon vorher
Devotionalien (der Andacht dienende Gegenstände) für die Wallfahrtsorte hergestellt worden waren. Auch die Spielzeugindustrie bemächtigte sich verstärkt
der für sie neuen Artikel und in der Folge wurden Krippenfiguren aus Gips, Ton und Papiermache zu Tausenden auf den Markt geworfen. Billig hergestellt,
billig und oft in Heimarbeit bemalt, traten sie ihren Siegeszug an und verdrängten die qualitativ so unendlich bessere handwerklich hergestellte Figur. Auch
heute noch tobt dieser Kampf, und es ist ein besonderes Verdienst der Krippenbewegungen in den einzelnen Ländern der Welt, den Krippenbauern den
Unterschied zwischen industriell gefertigten Produkten und handgearbeiteten Figuren deutlich vor Augen zu führen. Heute gibt es diese Verbände in
Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Südtirol, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und Ungarn und in Übersee in Afrika, Argentinien, Brasilien,
Chile, Mexiko, Peru, Guatemala, El Salvador, Kolumbien, Costa Rica, Venezuela und in den Vereinigten Staaten. Und überall, wo sich diese Vereine etabliert
haben, lebt auch der Krippengedanke weiter und bringt neue Leistungen hervor. Natürlich waren und sind die Verflechtungen der Ereignisse und Strömungen
rund um das Krippengeschehen sehr viel komplexer, als es hier äußerst kurz zusammengefaßt wurde. Aber wir hoffen, mit diesen kurzen Worten der
 "Geschichte der Krippe" doch manche Frage beantwortet zu haben.

Inhaltsverzeichnis

Krippenarten

Die Weihnachtskrippe


In der bildenden Kunst bezeichnet man mit Krippe die Darstellung der Geburt Christi. Die frühesten Beispiele zeigen das in der Krippe in einer Höhle
liegende Jesukind. Dieser Szene sind mit der Zeit Maria, Josef, der Ochs und der Esel, die Hirten und Engel und die Drei Könige zugefügt worden. Von den
Drei Königen berichtet Matthäus (2,1-11), sie seien, von einem Stern aus dem Osten nach Bethlehem geführt, in Erfüllung der alten Prophezeiung zur
Anbetung des Jesuskindes gekommen.
Die dem Brauch, an die Weihnachtszeit, gebundene Aufstellung der Krippe entwickelte sich aus dem von Franz von Assisi im Wald von Greccio in
Umbrien (1220) aufgeführten Krippenspiel, bei dem er die Geburtsgeschichte Jesu mit Menschen, Ochs und Esel als Akteuren nachspielte. Die
Verwendung von Holzfiguren ist seit dem 15. Jh. bezeugt, die Krippe als eigenständiger Typus ist seit der Mitte des 16. Jh. zuerst in italienischen und
spanischen, bald danach in süddeutschen Kirchen und besonders in Tirol nachzuweisen.
Als Andachtsbild gewann die Krippe im 17. Jh. Bedeutung; seit dem 18. Jh. bildet sie Mittelpunkt der Weihnachtsfeier sei es im kirchlichen wie im
häuslichen Brauchtum. In der 2. Hälfte des 18. Jh. wurden vielerlei Einzelheiten in das Bildgeschehen einbezogen, so die Herberge (als Hinweis auf die
Maria und Josef verweigerte Gastlichkeit),der Jahrmarkt das Volksleben, das Beiwerk an Figuren und Baulichkeiten. Zu dieser Zeit erreichte die
Krippenkunst in den Monumental - Krippen Neapels ihren Höhepunkt; sie hatten einen entscheidenden Einfluß auf die traditionelle Darstellung des
Weihnachtsgeschehens.

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Orientalische Krippe


Vor 100 Jahren kam der ,,orientalische Stil' in die Krippe. Mit den allgemeineren Kenntnissen vom Land der Bibel war es möglich geworden, eine ,,echte"
 morgenländische Landschaft nachzugestalten und somit das biblische Geschehen ganz nach den biblischen Berichten darzustellen. Der orientalische Stil fand
weiten Anklang und alsbald viele Nachahmer. Nicht wenige wollten nur mehr den orientalischen Stil in der Krippe gelten lassen. Längst hat die Heimatkrippe
wieder gleiche Geltung. Beide KrippendarsteIlungen haben ihre Berechtigung und ihre jeweiligen Vorzüge.
Ein entgegenkommender Vorteil der orientalischen Krippe ist die einfachere und damit leichtere Bauweise. Die bethlehemische Landschaft ist ein flaches
Hügelland; die morgenländischen Häuser sind würfelförmig mit flachem Dach oder niederer Kuppel, mit wenigen Fenstern und steinernem Treppenaufgang;
die Kleidung in biblischer Zeit bestand aus einem einfachen Knöchel- oder knielangen Unterkleid und einem großen rechteckigen Überwurf.

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Die Nazarener Krippe


Die romantische Bewegung, die am Ausgang des 18. Jh. ganz Europa erfaßt hatte, übte auf die bildenden Kunst einen maßgeblichen Einfluß aus.
Dementsprechend erfährt auch die Krippe eine Wandlung, die in ihrer Präsentation mit orientalischen Stilelementen Ausdruck findet.
Kennzeichnend für die kompositorischen Grundtendenzen sind das von Palmen geprägte landschaftliche Motiv und der Kontrast zwischen den reich
verzierten Roben der Drei Könige und der schlichten und ärmlichen Kleidung der Hirten.
Die Geburt des Jesuskindes leitet den Beginn der Heilszeit ein, und den Untergang des Heidentums, der hier von Ruinen Tempels symbolisiert wird.
Im Hintergrund wölbt sich über die Szene das Himmelszelt und gewährt dem Betrachter Einblick in die Bildergeschichte des Wunders von Bethlehem. Die
in ihrer Darstellung vorhandene Schönheit eröffnet ihm eine neue Erlebniswelt.

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Die Höhlenkrippe


Die Verfechter des orientalischen Stiles bestehen auf der Geburtshöhle in der Krippendarstellung. Bethlehem, die Stadt Davids, war nach dem Propheten
Michas auserkoren, den Sproß aus dem Hause Davids aufzunehmen, und nach der aus urchristlicher Zeit übernommenen Überlieferung wurde Jesus in einer
Felsenhöhle in der Nähe Bethlehem geboren. Als ältester Nachweis hierzu gilt, was der hl. Jeremias geschrieben hat: ,,Der geheiligtste Flecken der Erde wird
 von der Höhle des Adonis überschattet, und dort, im Innern der Grotte, wo das Christkind geboren wurde, beweinte man einst den Geliebten der Venus."
Schon im 4. Jahrhundert, im Jahre 325 n.Chr., ließ Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, über der Geburtsgrotte eine Kirche erbauen Von jenem
Zeitpunkt an ging das Wissen um die Bedeutung dieses Ortes nie wieder vergolten und ist durch die Jahrhunderte immerfort neben den anderen heiligen
Stätten im Heiligen Land Ziel der Heiliglandpilger. Für die Krippenfreunde unter den Heiliglandfahrern wird es wohl der Höhepunkt ihrer Pilgerreise sein,
vor dem silbernen Stern an der Geburtsstelle Jesu zu stehen und die Krippennische in der Felswand zu betrachten: ,,Hic de virgine Maria Jesus Christus
 natus est - Hier ist von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren."
Nicht allein die orientalische Krippe gibt der Höhle aufgrund der Überlieferung den Vorzug, auch die aus Wurzelstöcken aufgebauten Landschaftskrippen in
Tirol und Schwaben bevorzugen die Höhle als Mittelpunkt der Geburtsdarstellung.

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Heimatliche Weihnachtskrippe


Zu den schönsten Zeugnissen der Volkskunst gehört neben der orientalischen auch die heimatliche Darstellung der Weihnachtskrippen.
Eingebettet in eine künstlich gestaltete Landschaft zeigt sie die Ereignisse um die Geburt Christi in szenisch aufgebauten Figuren und Figurengruppen. Der
Stall von Bethlehem kommt zuweilen in den vertrauten Formen heimischer Bauernanwesen vor. Hirten und andere Akteure tragen ortsübliche Trachten, und
das Geschehen ist in die eigene Umwelt eingebettet.
Das innere Verlangen des Krippenbauers ist es, eine, "Heimatliche Krippe" zu schaffen, seine eigene Lebenswelt darzustellen und dadurch der Krippe diesen
Charakter zu verleihen.

Die Heimatkrippe verpflanzt das Heilige Geschehen unmittelbar in unsere heimische Landschaft und versucht damit das Weihnachtsgeschehen uns vor allem
gemütsmäßig näher zubringen. Die entrückte und fremdartige Welt des Orients wird in die vertraute heimatliche Umgebung gewandelt. Das ändert sich mit
der Landschaftsregion von der Bergwelt und Sennhütte zum Winkel in einem Bauernstall und von der Strohhütte im Busch zum weißgetünchten Haus in der
Provence. Jeder fängt in seiner Krippe seine eigene Heimat ein, geht bis ins kleinste Detail und gibt der HI. Familie Herberge. Der Gottmensch ist zu allen
gekommen.

Die Heimatkrippe ist durch drei wesentliche Merkmale ausgezeichnet:
1. Sie ist in die jeweilige heimatliche Wirklichkeit eingebunden.
2. Sie verliert sich an beschauliche Einzelheiten und liebenswürdige Kleinigkeiten.
3. Sie spricht dadurch betont das Gemüt an.
Die Heimatkrippe gibt es landschaftsbedingt in vielfältigen Abwandlungen und läßt der gestaltenden Phantasie weiten Spielraum - im Gegensatz zur
orientalischen Krippe, die das einmalige historische Geschehen möglichst geschichtskundig und bibeltreu darstellen will,

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Alpenländische Krippen


Dieser besonders gelungenen Darstellung der Geburt Christi liegt der Gedanke der gegenwartsnahen Wiedergabe eines historischen Ereignisses zugrunde.
Getreu der Tradition sind die Figuren nach einer in bestimmter Landschaft - in unserem Fall der Alpenraum - getragener typischen Kleidern ausgeführt.
Die Drei Könige und der Heilige Josef tragen hohe schwarze Hüte, knielange Hosen und Gehröcke, die Frauen und der Engel weiße Spitzenblusen und bunte
gereihte Röcke.
Die Geburt des Sohnes Gottes, des Erlösers, wird im Volksbrauch andächtig und würdig begangen. Die feierliche Stimmung wird hier durch Festtagskleidung
betont.

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Die bekleidete volkstümliche Krippe


Die bekleidete volkstümliche Krippe vereinigt die Hauptkennzeichen des barocken Stils in sich und insbesondere den Hang zur Übersteigerung und zu kühner
 Bildhaftigkeit unter Ausschöpfung aller darstellerischen uns szenischen Möglichkeiten.
So gesellen sich zu den aus vollen Holz geschnittenen vollplastischen Figuren beweglich mit Gliedern gefertigte Figuren. Bei diesen Figuren ist der bewegliche
Kopf mit Rumpf sowie den Händen Beinen und Füßen der Beschaulichkeit zuliebe geschnitzt. Untergliederte Figuren wie diese lassen sich in jeder
erdenklichen Haltung aufstellen; sie ermöglichen damit den Wandel der Szene je nach Stimmung.
Eine Krippe die originalen Kunstwert besitzt und deren Einzigartigkeit noch vom schmückenden Beiwerk betont wird: Prunk und Pomp für die Roben der
drei Weisen aus dem Morgenland , schlichte Arbeitskleidung für das einfache Volk.

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Ruinenkrippe


Eine Ruine wird vom Bild des zerstörten Bauwerkes geprägt. Das wird einmal durch die Gestaltung der verbliebenen Baureste, zum anderen durch die
Behandlung des Mauerwerkes erreicht; die Mauern sind abgebrochen und eingestürzt, das Gestein ist zerbröckelt.
- Sinngebung -
Die Ruinenkrippe symbolisiert den Verfall und die Hinfälligkeit der Welt. In diese Welt des Auseinanderstrebens wird Jesus hineingeboren. Er bringt neues
Leben, er baut aus den Ruinen ein neues Reich, das sich über die ganze Welt ausdehnen wird. Er führt die Menschen in ein neues Haus, in seine
weltumspannende Kirche. Über der Geburtsgrotte wird nicht selten eine Ruine aufgebaut, die Burg Davids, dem Ahnherrn; aus den Ruinen des Hauses
Davids erwächst mit Jesus der neue Sproß eines Königreiches, das alles überdauern wird.

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Osterrieder - Krippe


Die Krippenfiguren mit Stall sind gefertigt vom akademischen Bildhauer Sebastian Osterrieder aus München (1864-1932). Osterrieder gilt als Wiedererwecker
der künstlerischen Weihnachtskrippen. Er war im Auftrag von Prinzregent Luitpold von Bayern im Jahre 1910 im Heiligen Land um Menschen und Gegenden
 zu studieren.
An die 100 Figuren hat Osterrieder entworfen. Die Vorbilder für die dunklen, scharfgeschnittenen Gesichter, für die wallenden Beduienengewänder hat er in
Palästina studiert, wie auch die Geburtshöhle und die Bauwerke nach Landessitte. Orientalische Pracht konnte Osterrieder vor allem in den Gewändern
entfalten. Er hüllte seine 20 bis 30 cm großen Figuren in farbenfrohe Stoffe. Die Körper formte er um Drahtgestelle mit einer selbst erfundenen
Modelliermasse aus Leim, Gips, Hasenleim und Kreide, die er "französischen Hartguß" nannte. Anschließend wurden die Figuren kaschiert, das heißt mit in
Leimwasser getränkten Stoffen bekleidet und bemalt. Dank dieser Technik konnte er sie außerordentlich detailliert gestalten. Teilweise wurden ihnen
Glasaugen eingesetzt, um sie noch "lebendiger" wirken zu lassen.

Vier Arten von Krippenställen standen zur Auswahl:
die Höhle,
die Ruine,
die "Kaiserkrippe" im Renaissancestil mit Torbogen und hohen Säulen
und der einfache Stall.

Mehrere Osterrieder - Krippen befinden sich in Schwaben und Bayern. Krippen von Osterrieder erhielten die Münchner Kirchen St. Ursula, St. Peter,
St. Ludwig, 12-Apostel, St. Michael und Solln. Auch Papst Pius X. und Kaiser Wilhelm II. hatten eine wertvolle Krippe von Osterrieder in ihrem
Privatbesitz.

Osterrieder schuf Krippen für die Dome zu Linz/Österreich, Freising, Luxemburg, Bellerville, Cleveland, Mexiko, Pioria, Uppsala, die Nürnberger
Hauptkirchen, Zweibrücken, Paderborn, Altötting, Landshut, die Anima zu Rom und für viele Kirchen und Klöster

Osterrieder- Krippen in unserer nächsten Umgebung sind in Krumbach, in Babenhausen, in Illerberg(Familie Bidell), in Witzighausen, Bad Wurzach,
Unterknöringen, Laupheim, Bad Wörishofen, Heimenkirch, Hergenweiler, Opfenbach, Ebratshofen, Kempten, Wengen, Haldenwang, Dorschhausen,
Waltenhausen, Obergessetshausen, Wehringen, Buchloe, Heimatmuseum und Kreiskrankenhaus Illertissen, usw.

In der Ottobeuerer Barok-Krippe sind die Figuren der hl. Familie ebenfalls von Osterrieder.

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